Dankbarkeit und die Wunder des Alltags

 

Liebe Leserin/ lieber Leser,

 

Jeden Tag, zu jeder Zeit geschehen auf unserer Erde kleine und große Wunder.  "Es bezeichnet demnach allgemein etwas Erstaunliches und Außergewöhnliches" beschreibt Wikipedia das Wort 'Wunder'. Was aber sind diese Wunder genau und wie kann das Erkennen ihres Daseins uns Menschen bereichern?

 

Vor einigen Jahren habe ich angefangen, mich mit dem Thema Dankbarkeit zu beschäftigen. Zu der Zeit hatte ich persönlich keinen Grund gesehen, um für irgendetwas dankbar zu sein - ich hatte mich selbst in negative Glaubenssätze verstrickt und einen sehr pessimistischen Blick aufs Leben gewonnen. In einem Magazin habe ich einen Artikel gelesen der erzählte, dass man durch Dankbarkeitspraktiken sein Leben ins Positive verändern kann - einfach, indem man seinen Blick umschult.

 

Ich habe damit begonnen, mir ein Dankbarkeitstagebuch zu gestalten. Ein kleines Heft, in das ich jeden Abend schrieb, wofür ich an diesem Tag dankbar war. Über einen Monat habe ich das akribisch jeden Tag gemacht - anfangs hatte ich einen Stichpunkt in meinem Heft, am Ende eine ganze Seite. Meine Erkenntnis: ja, es klappt. Man kann seinen Blick umschulen und gewinnt nebenbei ein ganz anderes Verständnis für vieles im Leben:

 

Mit der Zeit  habe ich angefangen, ganz anders auf meine Existenz zu blicken: mir ist plötzlich bewusst geworden, dass es alles andere als Selbstverständlich ist, dass ich überhaupt dieses Leben führen darf. Ich habe eine tolle Familie, echte Freunde, wundervolle Tiere, ein Dach über dem Kopf, immer genug Nahrung, bin gesund, darf Bildung erfahren und bin wirklich frei - ich kann alles mit meinem Leben anstellen, was ich will. So viele Menschen auf der ganzen Welt dürfen nicht einmal die Hälfte dessen erfahren. Ich habe begonnen, all das von Herzen wertzuschätzen. 

 

Mit dem Wertschätzen rückte außerdem eine weitere Frage, oder vielmehr eine Feststellung, in mein Leben: Sind nicht all die kleinen Momente im Alltag das, was man als Wunder bezeichnet? Ist es nicht etwas außergewöhnliches, morgens aufzuwachen und einen neuen Tag erleben zu dürfen? Einen neuen Tag, aus dem man genau das machen kann, was man will? Ist es nicht ein Wunder, das Leben mit jedem neuen Tag an dem man erwacht erfahren zu dürfe? Einfach so, ohne Bedingung?

 

Mit dem Schulen meines Blickes habe ich begonnen zu lernen, Wunder zu erkennen, in all ihren Formen. Das Wunder Natur, das Wunder Lebewesen, das Wunder leben. Und dieses neue Bewusstsein für die Wertschätzung dessen bereichert mich gänzlich. Ich sehe immer mehr dieser Wunder und das erfüllt mich und mein Herz. Es verändert meine Sicht auf die Welt, es lässt mich in meinen Verhaltensweisen verändern und gibt mir das Wissen, diese Wunder erleben zu dürfen; denn dafür sind sie da und deshalb dürfen wir sie sehen, wenn wir den Schleier des Alltagstrotts ablegen.

 

Ich lade dich dazu ein, einen Tag lang bewusst darauf zu achten, was du hast und was du schätzen darfst. Beobachte und erkenne die kleinsten Wunder, spüre nach, was das in dir bewegt und integriere dieses Wissen in deinen Alltag, wenn es sich für dich stimmig anfühlt.

 

Ich möchte an der Stelle einige Zeilen von Kevin Coaklie - einem Obdachlosen aus Cardiff, den ich im Dezember letzten Jahres kennengelernt habe - einbringen:

 

„Weißt du...“ fing er an. „Es ist wichtig zu wissen, dass es immer schlimmer sein kann. Es wird immer jemanden geben, dem es schlechter geht, als dir. Ich habe das bereits gesagt, aber im Vergleich zu den Menschen in Afrika oder anderen Regionen, die nicht so zivilisiert sind, geht es mir wunderbar. Ich habe jeden Tag wenigstens irgendwas zu essen, ich habe die Unterstützung von Menschen um mich herum, die die Chance haben zu teilen. Ja, ich gehe oft mit Appetit und einem trockenen Mund schlafen, aber trotzdem hatte ich bislang jeden Tag das Glück, überhaupt etwas zu bekommen. Ein zu großer Teil der Weltbevölkerung kann das nicht von sich behaupten, leider."

 

Zu keiner Zeit durfte ich mir so bewusst über mein Glück werden, wie in der mit Kevin. Für diese Chance und mein Vertrauen in eine Reise ohne Ziel bin ich zutiefst dankbar.

 

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche dir einen wundererfüllten Tag! :-)

 

 

Mehr über meine Reise nach Cardiff und meine Zeit mit Kevin kannst du in unserem gemeinsamen Buch erfahren. Seine Worte berühren, treffen und bewegen und ich bin zutiefst dankbar dafür, sie vermitteln zu dürfen.

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