Von Abkürzungen und Umwegen

 

Liebe Leserin/ lieber Leser,

 

schön, dass du zu diesem Eintrag gefunden hast. Ich möchte heute über ein Thema schreiben, das mich persönlich viele Jahre beschäftigt hat und es immer noch tut - gibt es Abkürzungen in der Arbeit mit Pferden? Gibt es Methoden oder Arbeitsweisen, die schneller an's Ziel führen als andere? Ich persönlich war in der Arbeit mit meinen Pferden bis vor wenigen Jahren immer auf der Suche nach dem Weg, der am schnellsten Resultate zeigt. Wollte ich zum Beispiel unbedingt, dass Avalon "am Zügel geht", habe ich 'Hilfsmittel' benutzt: schärfere Gebisse, andere Zäume und vor vielen Jahren Ausbinder. Damit hatte ich mein Ziel dann auf dem schnellstmöglichen Weg erreicht - oder?

 

Waren diese 'Hilfsmittel' dann nicht mehr am Pferd, so schienen wir eher Rückschritte gemacht zu haben als Fortschritte. An der Stelle begann ich, Hilfsmittel zu hinterfragen, denn sowohl in unserer Beziehung zueinander als auch auf körperlicher Ebene gab es offensichtlich Rückschläge. Ich empfand das als sehr deprimierend: ich hatte doch den schnellsten Weg zum Ziel ausgewählt, warum also klappte dann plötzlich nichts mehr?! Heute verstehe ich, dass wir auf diesem Weg nie am Ziel angekommen waren. Ich hatte es zwar geschafft, Avalon in mein optimales Bild von ihm zu quetschen, aber dieses Bild war bloß die Illusion dessen, was ich als eine große Schwierigkeit sehe: Der Irrglaube, es könnte Abkürzungen geben.

 

Im Leben gibt es Prozesse, die einfach nicht beschleunigt werden können und das ist auch gut so - weil alles seine Zeit hat und dauern darf. Über Jahre habe ich mich mit verschiedensten Ansätzen und Arbeitsweisen beschäftigt die versprachen, schnell Resultate zu zeigen. Ja, manche Abkürzungen können Ergebnisse zeigen, die wir als Mensch sehen wollen - aber um welchen Preis

 

 

Durch die Abkürzung 'Schmerz/ Druck' und die Warnung 'Funktionierst du nicht, führt das zu Unwohlsein' konnte ich Avalon anfangs im Gelände mit weniger Problemen reiten. Dass damit weder die Ursache ergründet noch das Symptom beseitigt wurde, hat mir Avalon spätestens dann deutlich gezeigt, wenn die Abkürzung plötzlich nicht mehr da war: dann hatten wir nämlich mehr Probleme als vorher. Erst der Ansatz, die Ursache zu erkennen und gemeinsam statt gegeneinander zu arbeiten hat uns letztendlich wirklich geholfen.

 

 

Ich habe mit und durch Avalon gelernt, dass es in der Beziehung zum Pferd keine Abkürzungen gibt. Ich weiß jetzt, dass alles im Leben seine Zeit hat. Vermeintliche Abkürzungen haben mich stets von meinem Ziel entfernt und mein Verhältnis zu Avalon gekränkt - logisch, dass er kein Vertrauen in mich hatte und wir im Kreis gelaufen sind.

 

Pferde sind unglaublich liebevoll und geduldig im Umgang mit uns Menschen, wenn wir ihnen gleicheres entgegenbringen. Aus Respekt meinen Pferden gegenüber verlange ich nicht mehr, schnellstmöglich irgendwo anzukommen - stattdessen genießen wir gemeinsam den Weg, während wir ihn gehen.

 

Vielleicht ist es ein Umweg, sich bewusst der Langsamkeit und der Zeitlosigkeit hinzugeben - aber wenn dem so ist , empfinde ich den Weg als zu schön um noch einmal einen anderen zu gehen.

 

Die Magie im Sein mit Pferden habe ich durch das achtsame Miteinander erstmalig erleben dürfen. Alles darf seine Zeit dauern, um sich in vollstem Maße entwickeln zu können.

 

Vielen Dank für's Lesen! Hast du Fragen oder ist dir noch etwas unklar, kannst du mir gerne hier eine Nachricht senden.

 

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Du möchtest mehr über den achtsamen Weg mit Pferden lernen? Hier geht's zu meinem Onlinekurs :-)

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