Meine Hochsensibilität und mein neues Selbstverständnis

 

"Das passt wie die Faust auf's Auge. Es ist, als sollte mir dieses Thema zufallen, ich fühle mich das erste Mal so vollkommen verstanden. Ich verstehe mich selbst zum ersten Mal und verstehe, dass ich gar keine andere Wahl habe als so zu sein, wie ich bin."

 

Das waren meine ersten Gedanken nach der Auswertung meines HSP-Tests. Was Hochsensibilität ist, warum es für mich tatsächlich so Weltbewegend ist mich als HSP zu erkennen und wie mein Leben dadurch nun neu bereichert wird, erzähle ich dir in diesem Eintrag.

Elaine Aron hat den Begriff highly sensitive person ins Leben gerufen, dieser beschreibt hoch sensitive Personen und bildet die Grundlage für die Abkürzung HSP. Das Thema ist unglaublich Komplex und Vielschichtig. Ich fasse mich an der Stelle beim Erläutern kurz und möchte mich viel eher auf meine eigene Erfahrung berufen. 

 

Hochsensibilität ist keine Krankheit, auch wenn ich mich durch mein nicht-Wissen von ihrer Existenz oft schlecht oder krank gefühlt habe. HSP's nehmen viel mehr und intensiver Informationen aus der Umwelt auf, was durch besondere Eigenschaften ihres Nervensystems geschieht. Die Wahrnehmungsfilter von Hochsensiblen sind jedoch weniger stark ausgeprägt und damit kommen die Informationen schwächer bis ungefiltert im System an. Hochsensibilität ist eine besonders ausgeprägte Veranlagung zu feiner, intensiver und empfindlicher Wahrnehmung mit allen Sinnen und etwa 5-15% der Bevölkerung sind HSP's. Mehr wahrzunehmen als andere hatte für mich bislang mehr Nachteile als Vorteile, aber mit meinem gewonnenen Wissen um diese Eigenschaft erkenne ich immer mehr Positives daran. Das schönste ist das Wissen, eben nicht falsch, anders oder schlechter zu sein, sondern einfach besonders sensibel.

 

Ich kann mir dadurch meine Biografie viel besser erklären. Schon als Kind fand ich den Geruch in Städten grauenhaft, war lieber in der Natur als im Stadtleben, habe mich mehr nach Ruhe als nach Action gesehnt und habe schon immer vieles viel zu ernst und zu Herzen genommen. Ich schien immer weniger belastbar zu sein als andere und bei Überforderung war immer Flucht an 'meine Orte' meine Reaktion. Bis vor einigen Wochen wusste ich nicht um meine Hochsensibilität und habe mein Leben lang versucht, mich irgendwie anzupassen. Ich habe versucht wie die 'Normalen' (Hochsensibilität ist nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders) zu sein. In der Schule, im Job und in der Freizeit - stets habe ich versucht einfach zu ignorieren, was in mir vorging. Ich habe mich nicht richtig behandelt, weil ich es nicht besser wusste und das hat mir ziemlich viel Kopfzerbrechen und Schmerz zugefügt. 

 

Mit der Erkenntnis, hochsensibel zu sein hat sich mein Selbstverständnis radikal verändert. Ich verstehe nun, dass ich zwar nicht so bin wie der Großteil der Bevölkerung, aber dass mich das nicht schlechter oder weniger wertvoll macht. Das macht mich einfach anders und jetzt wo ich lernen darf damit umzugehen, erkenne ich immer mehr Stärken darin: ich bin sehr kreativ und das feine Wahrnehmungsvermögen hilft mir in der Fotografie und beim Schreiben enorm. Ich habe sehr feine Antennen, in der Arbeit mit Tieren und in der Energieheilung ist das sehr wertvoll. Auch meine starke Empathie sehe ich mittlerweile als etwas Gutes, denn sie erlaubt mir in meinen Kursen, Seminaren und im Alltag ein besseres Verständnis für Mensch und auch besonders Tier. 

 

Ich lerne mich selbst gerade neu kennen. Weil das Thema zwar, obwohl es mein lebenslanger Begleiter ist und war, ganz neu für mich ist, habe ich mich entschieden Hilfe beim Umgang damit zu suchen. Ich bin auf das Buch "Hochsensibel - was tun?" von Sylvia Harke gestoßen und habe damit auch das Wissen um meine Hochsensibilität und viele praktische Tipps für den Umgang damit erlangt. Ich kann jedem, der die Vermutung hegt eine HSP zu sein das Buch nur ans Herz legen. Ich habe mich darin so verstanden und einfach gut aufgehoben gefühlt, für den Einstieg in die komplexe Thematik genau das Richtige. Um weiter dranzubleiben und mich zu entwickeln, nehme ich außerdem an Sylvias Onlinekurs teil und bin bislang total angetan von der Präzision mit der der Kurs mich bewegt, fördert und unterstützt. ( https://hsp-academy.de/ )

 

Mit meinem neuen Selbstverständnis gehen einige Veränderungen einher, die ich für mich treffe. Dazu gehört vor allem die Jobwahl: ich werde nicht mehr in Jobs arbeiten, die mir schaden, weil sie mich einfach restlos überfordern. Durch die Jobthematik bin ich übrigens überhaupt erst auf das Thema gekommen. Fotografieren, Schreiben, Seminare geben oder Unterrichten mit Tieren kann ich den lieben langen Tag und noch länger - aber wenige Stunden in der Gastronomie arbeiten laugt mich so aus und überfordert mich so sehr, dass ich tagelang brauche, um mich davon zu erholen und ein richtig negatives Mindset bekomme. Damit war klar: so geht es nicht weiter, es muss sich etwas verändern.

 

Der erste Schritt, die Kündigung, und damit das handeln für mich hat mich sehr viel Kraft gekostet. Ich habe diesen Job nie für mich gemacht, sondern vielmehr für die Erwartungen anderer und natürlich um etwas Geld zu verdienen. Ich weiß jetzt aber: nicht um jeden Preis! Ich lege meinen Fokus nun voll und ganz auf Fotografie, Coachen und Schreiben. Ich lerne erstmal, mit mir selbst achtsam umzugehen und mich abzugrenzen, bevor ich wieder an ein 'normales' Arbeitsleben denke. 

 

Hochsensibilität lehrt mir, auf mich zu hören und meine Bedürfnisse zu respektieren. Ich lerne jetzt, mit mir und nicht gegen mein Wesen zu arbeiten und bin sehr gespannt, wo  mich diese Reise noch hinführt. 

 

Danke fürs Lesen und hab einen schönen Tag,

 

Juliane

 

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